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Gottesdienst 5. So Osterzeit A – 2020   10. Mai 2020

 

Hinweis: Für Lesung und Evangelium brauchen Sie eine Bibel. Darin finden Sie die Texte – dieses Mal alle beide im Neuen Testament.

 

Eingangslied: GL 326, 1 „Wir wollen alle fröhlich sein …“

 

Einführung:
Sie kennen André Heller, den Poeten, Bildermagier und Liedermacher?Er sagt:„Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass wir von woher kommen – und wohin gehen. Was mich so sicher macht: Ich hatte immer – mit 20 Ausrufezeichen! – Heimweh! Aber nie nach dem Hier, sondern nach dem, wo ich herkomme. Ich halte mich nicht für ein Alièn, aber ich kenne dieses Gefühl: Ich gehöre nicht hierher, lasst mich bitte nach Hause!“

André Heller spürt es: Wir leben hier im Exil. Jesus weist darauf hin, wenn er uns in seinen Reich Gottes – Gleichnissen nur eines ans Herz legt: Lasst den Himmel – eben dieses RG – unter euch aufleuchten. Das ist unsere Heimat. Der frühere Bischof von Aachen hat es so formuliert:„Wir sind nicht Christen, um in den Himmel zu kommen, sondern dass der Himmel hier und jetzt schon zu uns kommt“– eben unter uns aufleuchtet.

So wenden wir uns an Jesus, der uns vorgelebt hat, wie sein Reich aufleuchten kann:

 

Kyrie – Ruf:
Herr Jesus, du hast dich deinen Jüngern als Auferstandener und damit als Lebenden gezeigt. Du bist jetzt in unserer Mitte, zu unserer Freude . . .

 Jesus Christus, du hast deinen Jüngern den Frieden versprochen. Du beschenkst auch uns mit innerem Frieden, damit wir Frieden schließen mit unseren Mitmenschen . . .

 Jesus, du hast deinen Jüngern den Geist eingehaucht. Erfülle auch uns mit deinem Geist, damit uns die Menschen erkennen als deine Jünger . .

Friedensgruß:
Jesus Christus, du hast gesagt: „Ich bin der Weg, der in Wahrheit ins Leben führt.“ Und die Jünger haben dich nach deinem Tod am Kreuz als Lebenden erfahren. Auch wir werden leben – über den Tod hier hinaus, denn dein Reich umspannt alles. Darum vergib uns alle Fehler, alles Enge und Kleinliche, womit wir einander das Leben schwer machen. Befreie uns zu jener Weite, die dich auszeichnet. Denn so finden wir Frieden und erfahren deine Liebe, die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit mit einschließt:

 

Der Friede und die Liebe unseres Herrn sind allezeit mit euch . . .

 

Gloria:  GL 329, 1.5 „Das ist der Tag, den Gott …“

 

Tagesgebet:
Lebendiger Gott, wie oft tun wir uns schwer mit dem, was uns dein Sohn verkündet und vorgelebt hat. Jesus wusste: Alles ist mit allem verbunden; unsere Welt und der ganze Kosmos, Himmel und Erde sind eine Einheit. Darum ist auch der Himmel in uns eingebrannt. Als große Sehnsucht spüren wir das. Leider benehmen wir uns oft nicht so, als trügen wir den Himmel in uns. Dann werden wir nicht erkannt als deine Jünger. Öffne und stärke uns, damit wir glaubwürdig leben und deine Liebe bezeugen heute und alle Tage unseres Lebens – Amen.

 

Lesung:          Apostelgeschichte Kapitel 6, Verse 1 – 7

 

Antwortgsg.: GL 785, 1 „O komm herab, du Heiliger Geist, …“

 

Halleluja: GL 174, 3 Halleluja, halleluja, …“ mit Vers (V/A)

 

Evangelium:  Johannesevangelium Kapitel 14, Verse 1 – 12

 

Predigt:
„Eine Kirche, die nichts riskiert, riskiert am Ende alles.“ Dies sagte bereits vor über 35 Jahren Bischof Georg Moser auf der Rottenburger Diözesansynode. Ich finde, dass diese Erkenntnis sehr gut zur heutigen Lesung passt. Denn im Problem der Jerusalemer Urgemeinde steckt viel Zündstoff. Aber die Lesung zeigt auch, dass die Verantwortlichen viel Mut hatten, neue Wege in der Seelsorge aufzuzeigen.

Schauen wir einmal genauer hin: Es gibt Streit unter den Jerusalemer Christen. Aus der Diaspora waren griechisch sprechende Judenchristen nach Jerusalem gekommen. Sie werden von der hebräisch sprechenden Urgemeinde wegen ihres freieren Herangehens an den Glauben abgelehnt. Unter den Neuankömmlingen sind Witwen, denen jetzt in der neuen Umgebung die Unterstützung durch die Großfamilie fehlt. Sie sind auf die Hilfe der Gemeinde angewiesen.

 

Doch die Jerusalemer Gemeinde vernachlässigt diese Witwen, so dass es zu Auseinandersetzungen kommt. Die Verantwortlichen berufen deshalb eine Versammlung der Gemeinde ein, analysieren die Missstande, und erkennen, dass die bisherigen Strukturen der Gemeindearbeit der neuen Situation nicht gerecht werden. Ausweg: Sie schaffen ein neues Amt. Neben dem Dienst der Verkündigung soll es nun noch den Dienst von Diakonen geben, die sich um die Armen und Bedürftigen kümmern und unter ihnen die Nächstenliebe aufleuchten lassen.

Die Gemeinde ist damit einverstanden und sie wählen sieben fähige Männer für diesen Dienst aus. Die Apostel übertragen ihnen die neue Aufgabe. Die Krise ist gemeistert, man hat sich auf die Herausforderung einer veränderten Situation eingelassen und mutig die Verantwortung neu verteilt. Die Gemeinde gewinnt wieder an Ausstrahlung und Glaubwürdigkeit und kann weiter wachsen.

 

Diese Stelle aus der Apostelgeschichte ist für mich viel mehr als ein Bericht aus längst vergangenen Tagen. Sie ist ein Modell, wie Kirche zu allen Zeiten mit Krisen umgehen könnte; wie sie auf neue Bedingungen und Entwicklungen reagieren könnte. Der Text ist heute noch hochaktuell. Das wird besonders deutlich spürbar, wenn wir ihn einmal umschreiben auf heutige Verhältnisse. Das könnte sich dann vielleicht so anhören:

 

In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger abnahm, als viele junge Menschen stillschweigend aus den Gemeinden abwanderten, als immer häufiger über die Leblosigkeit und Unbeweglichkeit der Kirche geklagt wurde, da begehrten einige gegen die Verantwortlichen auf, weil ihrer Meinung nach bei der Versorgung der Gemeinden viele Dinge übersehen wurden.

 

Da riefen die Hirten ihre Mitarbeiter*innen und die Gläubigen zusammen und erklärten: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und vor der neuen Situation die Augen verschließen. Es ist nicht recht, dass wir uns mehr der Vergangenheit widmen und um jeden Preis alte Strukturen und Traditionen festhalten wollen. Es ist nicht recht, dass so viele Gemeinden ohne Seelsorger*in und Leiter sind, nur weil wir uns daran gewöhnt haben, dass diesen Dienst nur unverheiratete Männer tun könnten.“

 

Dann sagten sie den Gläubigen: „Wählt aus eurer Mitte Männer und Frauen von gutem Ruf, voll Engagement und mit der Fähigkeit, Einheit zu stiften und das Wort Gottes überzeugend weiterzusagen. Ihnen werden wir die Aufgabe der Gemeindeleitung übertragen.“

 

Der Vorschlag fand den Beifall vieler Gläubigen, sie wählten geeignete und bewährte Männer und Frauen, ließen sie vor die Nachfolger der Apostel treten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf. Sie beauftragten sie zur Verkündigung der Frohen Botschaft, zur Leitung der Gemeinden und ihrer Gottesdienste und zur tätigen Nächstenliebe.

 

Das Wort Gottes breitete sich aus, die Zahl der Gläubigen wurde wieder größer. Auch eine große Anzahl derer, die bisher skeptisch der Kirche gegenüberstanden, nahm den Glauben neu an. Sie sagten: „Wir haben gesehen, wie in der Kirche offen über Probleme gesprochen wird; wie Fehlentwicklungen eingestanden und korrigiert werden; wie alle miteinander um des Reiches Gottes willen nach neuen Wegen in der Seelsorge suchen.“

 

Soweit diese Aktualisierung von Wolfgang Raible. Leider ist dies bis heute nur ein Traum, dessen Verwirklichung in weiter Ferne scheint. Aber es ist unsere Situation und in Zeiten der Coronakrise ist diese doppelt brisant. Sicher freuen wir uns darüber, wieder miteinander Gottesdienst feiern zu dürfen. Und wir tun es – selbstverständlich unter Beachtung aller notwendigen Hygiene– und Sicherheitsvorschriften – allerdings in unserer Weise.

 

Es ist nicht einzusehen, warum einzig in der Diözese Würzburg noch keine Eucharistiefeiern möglich sein sollen. Das liegt wohl daran, dass die Verantwortlichen der Diözese sich noch nicht vorstellen können, wie die Kommunion gestaltet werden kann, damit sie würdevoll und hygienisch sauber ist. Was die Diözese dabei nicht im Blick hat, ist das Problem der Rückbringung übriger Hostien in den Tabernakel. Denn dies geht meines Erachtens überhaupt nicht.

Darum habe ich hier bei den Wurzeln der Kirche angeknüpft. Denn Jesus schaute immer zuerst, was die Leute dabei haben: „Wie viele Brote habt ihr? Habt ihr nichts zu essen?“ Oder beim Letzten Abendmahl: „Geht und bereitet alles vor.“ Mit dem, was alle dabei haben, feiert Jesus. Genau das tun wir. Damit haben wir keine Laufereien und keine Reste – und damit keine Probleme. So einfach kann es sein.

 

Ich danke Ihnen schon jetzt, dass Sie diesen Weg mitgehen und hoffe, dass wir auch weiterhin gute Wege finden, die den Erfordernissen entsprechen und im Sinne Jesu sein werden. Diese Hoffnung wünsche ich Ihnen auch über die Zeit meines Wirkens hier hinaus. Bleiben wir als Gemeinde kreativ und wagen immer wieder Neues. „Denn eine Kirche wie auch eine Gemeinde, die nichts riskiert, riskiert am Ende alles.“

Amen.

 

Credolied:  GL 456, 1.4 „Herr, du bist mein Leben, Herr, …“

 

Fürbitten:
Liebender Gott, du greifst nie so ein in diese Welt und ins Leben, wie wir uns das vorstellen. Denn unsere Aufgaben müssen wir selbst erledigen. Du begleitest und bestärkst uns dabei. Darum wenden wir uns an dich und bitten:

 

Wir nehmen uns vor, barmherzig zu sein – zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zu den Fremden unter uns: Hilf uns dabei . . .

 

Wir nehmen uns vor, gerecht zu sein – in der Familie, im Beruf, mit allen Menschen, denen wir begegnen nah und fern: Ermutige und erinnere uns immer neu . . .

 

Wir nehmen uns vor, uns nicht der öffentlichen Propaganda oder Vorurteilen anzuschließen, sondern nach unserem Gewissen zu handeln und uns so für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen: Bestärke uns durch deinen Geist . . .

 

Wir nehmen uns vor, den Menschen wohlwollend zu begegnen – in der Familie, im Freundeskreis, aber auch gegenüber Kolleg*innen und Asylsuchenden und Obdachlosen: Schenke uns Kraft zu Barmherzigkeit und Versöhnung . . .

 

Wir nehmen uns vor, uns täglich eine Zeit einzuräumen, um über uns selbst, unseren Glauben, unser Handeln nachzudenken und zu meditieren: Befreie uns zu solchen Auszeiten . . .

 

Wir nehmen uns vor, den Kranken und Einsamen Zeit zu schenken, sie zu besuchen und der Verstorbenen im Gebet zu gedenken: . . . Erfülle alle mit deiner Liebe und lass unsere Verstorbenen bei dir die Fülle des Lebens kosten für immer . . .

 

Barmherziger Gott, wir vertrauen uns deiner Liebe und deinem Geist an, der uns alles lehren wird. So hat es uns Jesus zugesagt. Mit ihm beten wir:

 

Vater unser: Vater unser . . .

Denn dein ist das Reich . . .

 

Gabenber.:  GL 186, 1.2 „Was uns die Erde Gutes spendet, …“

 

Gabengebet:
Herr Jesus Christus, nach deinem Beispiel und gemäß deines Auftrags haben wir unser Brot vor uns bereitet und hier am Altar auch den Wein. Mit diesen Gaben bringen wir alles vor dich, was unser Leben ausmacht, besonders uns selbst. Wie du diese Gaben wandeln wirst durch deinen Geist, so wandle auch uns immer mehr in Menschen deiner Liebe, damit wir dein Heil aufleuchten lassen in dieser Welt heute und jeden Tag neu – Amen.

 

Lobpreis:
Lebendiger Gott, dir können wir vertrauen, denn du erweist dich immer neu als Quelle des Lebens. Du hast uns in Jesus den Schlüssel gegeben zu Leben, Glück und Frieden. Der Schlüssel heißt Vertrauen.

 

In seiner Nachfolge haben unzählige Menschen Vertrauen gelernt, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Ihr Ja war ein Ja, ihr Nein ein Nein.

 

Sie sind wie deine Propheten, die überzeugend dein Wort sprechen, und trotz aller Schwierigkeiten am Vertrauen zu dir festhalten.

 

Wir danken dir für Jesus von Nazaret, der uns zeigte, was Gottvertrauen ist, indem er ein Leben lang dir alle Ehre gab, weil er uns Menschen diente.

 

Er vertraute durch Tod und Dunkelheit hindurch, wollte uns Brot sein, Nahrung und Trost. Er begleitet unseren Weg Tag für Tag, damit wir gestärkt werden in allen Zweifeln und Ängsten und auch am Ende unseres Lebens.

 

Darum singen wir mit allen, die auf dich vertrauen und aus dir leben zu deiner Ehre: . . .

 

Lied:  GL 731 „Heilig ist Gott Zebaoth, heilig, heilig, …“

 

Tischgebet:
Guter Gott, wir kennen Jesu Wort:"Ich bin der Weg."Dieser Weg, den er selbst mit aller Konsequenz ging, spart nichts aus, was das Leben uns zumuten kann. Er ist der Weg durch Freud und Leid, Trauer und Glück. Er ist der Weg, der dem Leben einen Sinn verleiht.

 

Wir kennen Jesu Wort:"Ich bin die Wahrheit."Diese Wahrheit erschließt sich uns nur im Gehen des Weges mit ihm. Sie ist tiefe Weisheit, Offenbarung des Geheimnisses "Leben". In seiner Wahrheit können wir nicht verloren gehen, sondern wir werden das Leben finden.

 

Wir kennen Jesu Wort:"Ich bin das Leben."Er ist Leben, das ganz in Einheit mit der Schöpfung lebt, und nichts als Liebe ist. Danach sehnen wir uns. Jesus, erfülle uns mit deiner Liebe, damit wir dir folgen und deine Wahrheit mit Leben erfüllen können.

 

Communio:
Lebendiger Gott, darum glauben wir daran: dein Geist ist auch heute unter uns gegenwärtig. SIE ist dein Segen +, der für uns Brot und Wein wandelt, damit sich darin Jesus mit uns und wir mit ihm neu verbinden als Quelle und Kraft des Lebens.

 

Worte: Bitte nehmen Sie das Brot in die Hand und sprechen, wobei Sie ein Kreuz über das Brot zeichnen:

 

Wir nehmen und essen das Brot:Es ist für uns Jesu Leib, + der für uns hingegeben wurde. Wir tun es zu seinem Gedächtnis.

 

Communio: Alle essen das gesegnete Brot im Gedenken an Jesus und der Gewissheit all seiner Verbundenheit in Liebe zu uns.

 

Worte: Bitte nehmen Sie den Schluck Wein in die Hand und sprechen, wobei Sie ein Kreuz über den Wein zeichnen:

 

Wir nehmen und trinken den Wein: Er ist für uns Jesu Blut, + der Neue Bund in seinem Blut, das für uns vergossen wurde zur Vergebung der Sünden.

 

Communio: Alle trinken den gesegneten Wein im Gedenken an Jesus und der Gewissheit all seiner Verbundenheit in Liebe zu uns.

 

Danklied: GL 385, 1.4 „Nun saget Dank und lobt den …“

 

Schlussgebet:
Treuer Gott, wir durften gemeinsam wieder das Mahl mit Jesus in unserer Mitte feiern. Du hast uns gestärkt und tiefer mit deinem Sohn verbunden. Wir danken dir und bitten: Lass uns neu gestärkt und mit deinem Geist erfüllt in unseren Alltag zurückkehren. Dort wollen wir dein Licht aufleuchten lassen und in Taten der Liebe eine Ahnung des Himmels erstrahlen lassen. So lass uns spüren, dass sich in uns allen etwas ändert, wenn wir mit dir feiern und Mahl halten, heute und alle Tage unseres Lebens – Amen.

 

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Segen:

Gesegnet sollt ihr sein, wenn ihr die Freiheit des Anderen achtet und euch eure Freiheit bewahrt.

 

Gesegnet sollt ihr sein, wenn das einzige Gebot der Dreiklang der Liebe ist zu Gott, zu den Mitmenschen und zu euch selbst.

 

Gesegnet sollt ihr sein, wenn ihr euer Leben auf Liebe und Gewaltlosigkeit baut: machtlos aber frei.

 

Seid gesegnet in der Gewissheit: ER geht mit uns auf allen Wegen, vom ersten Schritt an.

 

So geht eure Wege als Gesegnete und Segnende

vom Vater + durch den Sohn im Hl. Geist – Amen.

 

Gehet hin und erfüllt seinen Segen mit Leben,

halleluja, halleluja . . .

 

Schlusslied:  GL 534, 1.3 „Maria, breit den Mantel aus, …“

 

 

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