logo PG effata

Osterpfarrbrief 2020

Liebe Mitchristen in unseren Gemeinden!     

Alles bleibt – anders als zuvor!

Wieder einmal sind wir auf dem Weg nach Ostern, dem großen Finale unseres Lebens und Glaubens, wo alles, was bleibt, verwandelt wird. Warum nur sehnen wir uns danach, dass wenigstens das, was uns wichtig ist, bleiben möge, wie es jetzt ist? Es führt kein Weg daran vorbei: nichts kann bleiben, wie es ist!

Das gehört zum Leben. Und Leben ist Entwicklung, also ständige Veränderung und Wandlung. So müssen wir durch die notwendige Bildung unseren Horizont erweitern, wenn wir uns in dieser Welt zurechtfinden wollen. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken – das hält das Leben spannend.

Doch Veränderung – auch im Sinne von Horizonterweiterung – genügt nicht. Es braucht darüber hinaus die Wandlung. Sie greift viel tiefer und geschieht in der Seele. Wir können sie nicht aktiv herbei führen, wir müssen sie geschehen lassenim Glauben. Denn Motor aller Wandlung ist der Hl. Geist. Und seine Wandlungskräfte begleiten unser ganzes Leben.

Wo die Geschichte unseres Lebens beginnt, entsteht auch in uns ein Bild von Gott, das zunächst geprägt ist von totaler Geborgenheit und Liebe. „Gott ist Liebe“, heißt es im ersten Johannesbrief. Durch die Geburt wird dieses Bild radikal erschüttert durch  ein Ausgeliefertsein – ausgeliefert den Unbilden dieser Welt und des irdischen Lebens. Alle Geborgenheit und Liebe müssen wir von jetzt an von außen durch die Eltern neu erfahren.

Gott ist denselben Weg gegangen. ER sandte uns seinen Sohn in Jesus von Nazaret. Durch ihn wurde unser Bild von Gott neu geprägt. Gott wurde in ihm Mensch, einer von uns. Das heißt auch: Wir alle können diesen Gott in unserem Leben widerspiegeln – überall da, wo wir Geborgenheit schenken und Liebe geben. Wo die Geschichte dann scheinbar ein Ende fand (am Kreuz), wurde unser Bild von Jesus gewandelt.

Denn ER hielt nicht daran fest, Gott zu sein. ER ging mit durch alles Dunkel dieser Welt, das verursacht wird durch unser Versagen. ER ging bis in den Tod – einsam und verlassen, tauchte ER ein in das äußerste Dunkel. Selbst die Sonne verfinsterte sich, wie es in den Evangelien heißt.

Doch wider alle Befürchtung war die Geschichte unseres Lebens nicht zu Ende. Denn Gott ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes. Diese Erfahrung der Jünger wandelte unser Bild von Jesus, der ja der Christus = der (mit Hl. Geist) Gesalbte Gottes ist. Seit dem sprechen wir von Jesus Christus.

ER blieb nicht im Tod, weil die Liebe und damit Gott größer ist als aller Tod dieser Welt. Gottes Liebe schenkt uns das Leben neu. Wenn wir uns von dieser Erfahrung der Jünger auch heute noch berühren lassen, da wird unser Bild von uns selbst verwandelt.  

Denn in der Verbindung mit IHM, im Glauben an IHN wird unser Leben von IHM durchdrungen. Und wir sind auch in aller Einsamkeit und/oder Verlassenheit, in allem Dunkel, das uns bedrücken kann, in IHM geborgen. Dank Jesu Leben, Sterben und Auferstehen wissen wir: Es gibt ihn, den Hoffnungsschimmer tief in unserer Seele, der uns den Weg ins Leben weist, das kein Tod dieser Welt zerstören kann.

Diesen Hoffnungsschimmer gilt es zu nähren durch unseren gelebten Glauben und in jedem Mahl, das wir mit Jesus feiern, im Gottesdienst zu stärken. Auf diesem Hintergrund schauen wir nun auf das Titelbild dieses Pfarrbriefes. Der Künstler Manfred Hartmann hat es überschrieben mit „Leuchtendes Kreuz“.

Das Kreuz beherrscht das Bild als sei das Leben nur ein Kreuz. Doch täuschen wir uns nicht. Von oben kommt gleich einem Wasserfall die große Helle wohl des Osterlichts. Schon wirkt das Grau des Alltags nicht mehr trist allein; es bleibt als Hintergrund, ein schwacher Schein. Das Licht von oben dringt in des Kreuzes Mitte, wo neu das Kreuz entgegen leuchtet – doch jetzt wie eine Glut, vielleicht der Liebe, wie sie Jesus konsequent gelebt. Die Glut durchbricht das kräftige Rot, das wie ein Hemd ans Kreuz geheftet, sich wehrt gegen allen Tod. Vergebens – es ist das letzte Hemd, ganz ohne Taschen, und ausgefranst schon, kaum zu erkennen die Arme, vom Tod verschlungen – es ist aus; doch ist’s vergebens?

Das Kreuz – nur in seiner Mitte abgebildet, wo unbarmherzig irdische Gewalt mit Macht gegen den Lebensstrom von oben  kracht. Wo Macht und Gewalt auf Liebe und Vergebung prallt, da ist es aus, da triumphiert das Dunkel, welches von rechts ins Zentrum drängt, verschlingen will des Lebens Saft, das Blut. Das Leben gefangen, geschunden bis aufs Blut, schutzlos preis gegeben der Macht der Gier, dem   Spott der Welt.

Die Glut der Liebe, sie brennt im Kreuzungspunkt und leuchtet, verwandelt das geschund’ne und gefang’ne Leben. Es steigt empor hinauf ins helle Licht, fast scheint es, dass der Balken bricht. Der Arm der Macht hat ausgedient, hält nicht länger Stand dem hellen Licht. Die Glut der Liebe wandelt alles Leben, verzehrt, wer oder was sich dagegen wehrt. Am Ende scheint’s wird alles Licht, weil dann vereint mit dem, der zu uns spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

Darum ist alles Kreuz niemals vergebens, solang die Glut der Liebe uns erfüllt. Das Kreuz als Feuermantel auch der Liebe vernichtet nicht, verwandelt nurbefreit Uns erschließt sich die verwandelnde Kraft des Kreuzes Christi. Glaube braucht Herzblut, eben eine tiefe Liebe zu den Menschen, die mit uns auf dem Weg sind. Wir werden ihnen begegnen, die ohnmächtig die Gewalt und Macht  von Krankheit und Leid ertragen müssen; auch jenen, die in ihrem Leid den Glauben zu verlieren drohen. Ihnen gilt es zu zeigen: Du bist nicht vergessen, nicht allein, denn ich gehe mit dir, begleite dich auf deinem schweren Weg. 

Dann leuchtet auch ihnen ein Licht auf. Ostern beginnt sein Licht über sie zu werfen; vielleicht erst ganz sanft und fast unmerklich, aber unaufhaltsam bis es einst auch für jene am Rande und am Boden aufstrahlt und sie verwandelt ins neue Leben hinein.

Dass Sie das in Ihren Begegnungen und Beziehungen immer wieder erleben dürfen, wünsche ich Ihnen im Namen des ganzen Seelsorgeteams. Ihnen allen ein frohes, lichterfülltes und gesegnetes Osterfest 2020! Mögen Sie immer wieder Erfahrungen der Auferstehung schon hier im Leben erfahren, die Sie aufrichten und allen Hoffnungsschimmer nie verlieren lassen. Nochmals gesegnete Kartage und Ostern!

Bernhard Albert, Pfarrer                     

Petra Bigge  und  Franziska Büdel,  Gemeindereferentinnen

Edgar Sahm, Pfarrer i. R. (Habichsthal)


Die Karwoche – Heilige Woche

Der Regenbogen als Brücke zwischen Himmel und Erde. Dieses Symbol fasziniert viele Menschen. Und es verbindet nicht nur Himmel und Erde, sondern auch Gott und Mensch. In der Kommunionvorbereitung war den Eltern dieses Symbol wichtig im Zusammenhang mit dem Thema: „Wir sind geborgen in Gottes Hand.“ Darum soll der Regenbogen als Symbol uns auch durch die Gottesdienste der Karwoche begleiten und uns helfen, das Geheimnis des Lebens im Bund mit Gott tiefer zu erschließen.

Der Regenbogen gilt seit Noahs Zeiten als Gottes Bogen, unter dem Gott seinen Bund des Lebens mit uns Menschen schloss.  Unter diesem Bogen stand der große Neuanfang nach dem Scheitern der Schöpfung "Mensch" (vgl. Gen 9, 8 – 17).

Denn nachdem das Böse auf der Erde über Hand genommen hatte und jeder nur noch an sich selber dachte, da kam die große Flut. So erzählt es das Buch Genesis. Doch Gott will nicht die Vernichtung, er setzt mit Noah einen Neuanfang. Sein Bogen wird zum Zeichen des Bundes Gottes mit uns Menschen. Unter diesem Bogen können wir leben und uns entfalten.

Wenn wir die Farben des Regenbogens meditieren, dann sind wir mitten drin im Leben des Menschen mit allen Licht– und Schattenseiten; dann sind wir aber auch mitten drin im Geheimnis unseres Glaubens. So wie der Regenbogen Himmel und Erde verbindet, so verknüpft er auch Glaube und Leben. Denn wie jede Farbe ihre universale Bedeutung im Leben der Menschen hat, so auch im Glauben.

Darum kann der Regenbogen uns sehr gut durch die Gottesdienste der Karwoche begleiten und die Mitte unseres Lebens und Glaubens erschließen helfen.

Wir beginnen mit der Reihe der Bußgottesdienste. Auch sie stehen unter dem Bogen Gottes. Gegenüber Noah hatte Gott im Blick auf diesen Bogen versprochen, dass er nie mehr Gedanken der Vernichtung Raum geben wird, sondern dass der Mensch im Zeichen des Regenbogens unter Gottes Schutz und Fürsorge steht. Gott schließt in diesem Zeichen Frieden mit seiner Schöpfung "Mensch" und eröffnet so den Weg der Versöhnung.  

Damit sind wir bereits im Zentrum des Bogens – bei der Farbe Violett. Es ist die Farbe für Frieden und Gerechtigkeit, was  Gleichberechtigung mit einschließt, wie auch Zärtlichkeit, Tiefe und die Suche nach Sinn. Violett symbolisiert aber auch Wehmut und steht für eine Welt voller Geheimnisse. Daher verweist das Violett im Glauben auf Umkehr, Versöhnung und Neuanfang, auf die Kraft aus der Tiefe des eigenen Inneren. Die liturgische Farbe der Bußgottesdienste ist Violett!

Im Regenbogen steht Violett als erste Farbe, der wir begegnen, wenn wir zu ihm aufschauen. Sie bildet die Basis unseres Lebens und Glaubens; immer neu gilt es, aufzubrechen und sich Neuem zu öffnen. Dabei bleibt Versöhnung "die beste Münze im Haus", wie ein chinesisches Sprichwort sagt.

Am Palmsonntag feiern wir Jesus Christus als unseren König. Denn er hat sich erwiesen als Herr über Leben und Tod. Wie oft wollten ihn die Menschen zum König machen, doch Jesus entzieht sich ihnen. Er will nicht weltliche Macht und irdisches Königtum, sondern sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er lebt und gibt Leben aus einer anderen Quelle. 

Doch das haben die Menschen seiner Zeit nicht verstanden. Haben wir es begriffen? Jesus lebt Gottes Wahrheit, ja er ist Wahrheit, d.h. sein Leben ist absolut authentisch, bei ihm wird sichtbar, wie Gott seine Schöpfung "Mensch" gedacht hat.

Was ist Wahrheit? – das bleibt die entscheidende Frage, an der sich bis heute die Geister scheiden. Während unsere Wahrheit nicht ohne Macht und Herrschaft des einen über den anderen auskommt, schenkt Jesu Wahrheit dem Menschen Freiheit und Leben aus den Tiefenschichten der Liebe. Es ist eine zutiefst spirituelle Wahrheit Wahrheit der Seele. Sie erweist sich als nicht vereinbar mit der Wahrheit dieser Welt, die ökonomisch – politisch ausgerichtet ist und notfalls über Leichen geht. Jesus wird daran scheitern – am Kreuz.

Genau dieser Gegensatz der Wahrheit Jesu und der der Welt prägt den Palmsonntag. So feiern wir Jesu Einzug in Jerusalem als König und hören bald darauf seine Leidensgeschichte bis zum Tod am Kreuz. Am deutlichsten zeigt das Johannes – Evangelium dieses andere Königsein Jesu und seine Wahrheit auf. Darum werden wir am Palmsonntag die Leidensgeschichte nach Johannes hören.

Die liturgische Farbe des Palmsonntags ist Rot, die äußerste Farbe des Regenbogens: Zeichen der Liebe, Lebenskraft (Blut!), der Aktivität bis hin zur Aggressivität und des Veränderungswillens. Im Glauben steht Rot für die Liebe und das Blut als Lebenssaft, aber auch für den Hl. Geist, den wir ja im Glaubensbekenntnis als Lebensspender bekennen.

Jesus will uns als lebendige Menschen, er lädt uns ein, uns verwandeln zu lassen in Menschen seines Geistes. Deswegen  sehen die Verantwortlichen bei Jesus rot und werden aggressiv; sie lassen ihn töten. Doch Jesu Blut floss nicht vergebens – es wurde zur Quelle neuen Lebens.

Doch bevor wir dieses Geheimnis unseres Glaubens feiern, haben wir Gelegenheit, in einem Nachtgebet Jesu Weg bis zum Äußersten an uns vorüber ziehen zu lassen und mit unserem Leben zu verbinden. Dieses Nachtgebet soll nicht nur Meditation, Gebet und Lieder enthalten, sondern auch durch entsprechende Musik uns tief in der Seele berühren. Dazu sind Sie eingeladen am Dienstag der Karwoche nach Habichsthal.

Jesu Blut vergossen am Kreuz als Quelle neuen Lebens – dieses  Geheimnis feiern wir in jeder Eucharistie. Damit sind wir beim Gründonnerstag. Mit dem Letzten Abendmahl fasst Jesus sein Leben und Wirken zusammen und betont in einer Zeichenhandlung, worauf es ankommt im Leben. In der Fußwaschung zeigt er: Wir sind füreinander da, aufgerufen einander zu dienen. Es soll keine Herrschaft übereinander, kein Oben und Unten geben, denn wir alle sind Schwestern und Brüder. Im Mahl wird diese neue Gemeinschaft, dieser Neue Bund besiegelt. Es ist der Bund der Liebe und Treue.

Der Bogen kehrt sich hier um zur Schale, aus der wir alles Notwendige zum Leben empfangen: Brot und Wein, Zeichen des Lebensnotwendigen und der Lebensfreude. Doch über der Freude liegt ein Schatten. Jesus feiert zum letzten Mal mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Sein Leidensweg beginnt in dieser Nacht. Aber er verbindet mit diesem Mahl einen Auftrag: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." Der Neue Bund verlangt auch von uns Treue. Dafür steht das tiefe Blau des Bogens, die 2. Farbe. Es ist die Farbe des Glaubens, von Heil und Heilung. Manche assoziieren mit diesem Blau auch Weisheit und eine höhere Ordnung. 

Dass Jesus sich selbst im Brot und Wein an uns verschenkt, kann nur im Glauben angenommen werden. Nur in Treue zu Jesus und in Verbundenheit mit ihm im Mahl können wir sein Wort und Wirken als heilsam erfahren. Nehmen wir Jesus ernst und nehmen am Mahl teil in beiden Gestalten von Brot und Wein!

Das tiefe Blau führt uns auch weiter zur Nacht, in der Jesus den Weg des Leidens gehen muss. Jesus stellt sich allem Dunkel dieser Welt. Er ist treu bis in den Tod. Er lebt eben aus einer anderen Wahrheit, die sich uns oft erst im Nachhinein als tiefe Weisheit erweist. Begleiten wir im Anschluss an die Abendmahlsfeier Jesus auf dem Weg des Leidens. Betrachten wir in der Ölbergstunde die Stationen seines Weges und vergessen wir dabei nie: Gottes Bogen steht über allem, er umfängt uns, ganz gleich, was das Leben uns zumuten mag.

Jesus hat den Bogen für uns vom Himmel geholt und zur Schale geformt. Von ihm erhalten wir daraus Kraft, unseren Weg zu gehen. Solange wir aus der Regenbogenschale nicht herausfallen, dürfen wir vertrauen, dass auch das größte Leid bis hin zum Tod von Gott verwandelt wird in neues Leben. In dieser Gewissheit gehen wir den Weg mit Jesus und er geht mit uns.

Am Karfreitag feiern wir Jesu Tod am Kreuz. Wir hören erneut die Leidensgeschichte – diesmal nach Matthäus – und versuchen sie in unser Leben hinein zu übersetzen. Wir verehren das Kreuz und gestalten es als Zeichen des Lebens und der Hoffnung. Damit sind wir beim Grün des Bogens, der Farbe des Lebens und der Hoffnung.  

Grün steht aber auch für Ruhe und Passivität, für Harmonie und Heimatgefühl, für Standfestigkeit und Selbstwert. Der Tod Jesu am Kreuz durchkreuzt dies alles scheinbar. Doch Jesus starb in der Hoffnung auf den Vater. Mit ihm wusste er sich eins, beim Vater war und ist seine wahre Heimat. Im Bund mit dem Vater findet Jesus die Kraft, seinem Weg treu zu bleiben und nicht zu verzweifeln. Die Einheit mit dem Vater gibt ihm Ruhe und Gelassenheit.  

Es wird bis zum Ostertag dauern, dass die Jünger und auch wir merken: Das alles ist durch den Tod nicht ausgelöscht, sondern wird verwandelt zu neuem Leben. Darum schmücken wir das Kreuz ja mit Zeichen des Lebens und der Hoffnung. So werden erneut Farben des Bogens sichtbar. Der komplette Bogen dagegen bleibt verborgen, er lässt sich nur erahnen. Für kurze Zeit verdeckt ihn das Dunkel des Todes.

In der Liturgie der Osternacht feiern wir das neu erstandene Leben. Der Tod hat keine Macht mehr, obwohl er uns weiterhin umfängt und eines Tages einholen wird. Aber er hat seinen Schrecken verloren, weil er uns nicht vernichten kann.

Der Bogen strahlt neu auf und seine Farben leuchten hell. Da ist das GelbFarbe der Sonne. Gelb steht für Glanz und Licht, für Unternehmungslust. Als Lichtgestalt wird der Auferstandene oft dargestellt. Außerdem gilt die Sonne als Symbol für das Göttliche, so dass gelb auch als Farbe Gottes und seiner Gerechtigkeit gilt. Gottes Gerechtigkeit überstrahlt alles Dunkel, sie ruft ins Leben und ans Licht. Sie schenkt neue Klarheit. 

Damit sind wir beim hellen Blau des Regenbogens. Es erinnert ans Wasser, dem Grundelement allen Lebens. Blau steht daher für Reinheit und Zufriedenheit, für Weite, Offenheit und den Himmel.

Die Liturgie der Osternacht zeichnet den Weg des Lebens im Bund mit Gott nach. In Lichtfeier, im Hören auf das Wort, im Besprengen mit den Lebenswassern Gottes und im Mahl bekräftigen wir den Neuen Bund, in den uns Jesus einlädt. Es ist der Bund des Lebens und der Liebe. Auf dem Weg zu diesem Bund begegnen wir den entscheidenden Personen des Bundes, die jeweils an den Wegkreuzungen und/oder in Krisenzeiten diesen Bund erinnern und weitergetragen haben. Es beginnt mit Noah, geht weiter mit Abraham und Mose und die Propheten bis hin zu Johannes dem Täufer und Jesus von Nazaret. Die Lesungen dieser Nacht werden uns daran erinnern.

In aller Kürze wird das auch auf der Osterkerze dargestellt sein. Es beginnt unter dem Bogen Gottes mit Abraham, dem Stammvater des Volkes Gottes. Ihm wurden Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meer verheißen und damit eine große Zukunft. Unter dem Zeichen des Regenbogens wird sichtbar, wo der Sinn bzw. die Bestimmung des Bundes Gottes mit uns Menschen liegt: der Mensch lebt unter Gottes Schutz in seinem Shalom (Frieden, Wohlstand, . . .). So war es von allem  Anfang an gedacht.

Doch dazu muss der Mensch sich von Gottes Geist leiten lassen, woran die Taube erinnert. Der Zweig in ihrem Schnabel kann als Friedenszweig und als Palmzweig verstanden werden.

Vom Bogen Gottes umfangen stehen die Zeichen des Neuen Bundes vor uns: Brot und Wein, so wie das Wasser der Fußwaschung. Es erinnert: Dies ist ein Bund der Liebe. Das griechische Wort für Liebe "Agape" bezeichnet als Fremdwort bei uns auch das Gemeinschaft stiftende Mahl. 

Über dem Todeshügel des Karfreitags ist kein Bogen zu sehen. Vielmehr verfinstern Wolken die Szene; Blitzen gleich entlädt sich der Hass und alle Bosheit der Menschen. Jesus liegt totenstarr im Grab. Nur der Geist Gottes schwebt über dem Dunkel des Todes – unsichtbar und daher noch unbemerkt.

Doch der Geist ist es, der Jesus aus dem Tod ins Leben ruft. Wir bekennen den Geist als Lebensspender im Glaubensbekenntnis und sie war es auch, die dem Menschen im Anfang der Schöpfung Leben einhauchte. Jesus ersteht zum Leben als Lichtgestalt. Die Sonne geht neu auf und der Regenbogen steht wieder sichtbar über allem. Sogar ein zweiter Bogen als Spiegelbild hat sich um den Auferstandenen gelegt.

Damit sind wir beim Orange des Regenbogens, die Farbe der Lebensfreude und großer Lebendigkeit. Orange steht für Warmherzigkeit und Offenheit, aber auch für Wissensdurst. Zeigen wir unsere Freude über das neu geschenkte Leben in den Liedern, die wir singen und auch in anderen Zeichen.

 

Ihr Pfarrer   Bernhard Albert

­