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„Durch das Jahr – durch das Leben“  -    Besinnungswochenende der Pfarrgemeinderäte und Gottesdienstbeauftragten    

Im März 2020 war es wieder soweit. Die Pfarrgemeinderäte und Gottesdienstbeauftragten trafen sich zum alljährlichen Besinnungswochenende – dieses Jahr auf der Benediktushöhe in Retzbach.

„Durch das Jahr – durch das Leben – oder: Was bleibt, wenn sich alles ändert?“ So lautete das Thema dieses abwechslungsreichen Wochenendes, bei dem es darum ging, den Staub von unseren Kirchenbänken zu wischen, die Schätze unseres Glaubens neu zu entdecken und die Glut unter der Asche neu zu entfachen. Um das Fundament unseres kirchlichen Lebens zu verstehen braucht es Verständnis für unsere Kirchen, unsere Feiertage und die kirchlichen Handlungen. Denn, wenn uns dieses verloren geht, dann wird aus etwas Außergewöhnlichem etwas Gewöhnliches, aus etwas Besonderem etwas Alltägliches.

Nach der Begrüßungsrunde am Freitagabend nahmen wir verschiedene Worte zur Begrüßung oder zum Abschied unter die Lupe und stellten erstaunt fest, dass die meisten eigentlich bedeuten, dass Gott den anderen segnen und behüten möge. Wir erfuhren auch von Begrüßungsritualen anderer Völker.

Am Samstagmorgen forschten wir nach unseren persönlichen und kirchlichen Ritualen und Gewohnheiten. Rituale und Gewohnheiten gleichen sich in vielem, nur mit dem Unterschied, dass Rituale bewusst und mit emotionaler Beteiligung ausgeübt werden, während Gewohnheiten meist ohne besondere Aufmerksamkeit geschehen.

Später machten wir uns auf den Weg zur Wallfahrtskirche Maria im grünen Tal in Retzbach. Als Kirchgänger erlebten wir eine spirituelle Führung der besonderen Art durch die Kirche, indem wir verschiedene Texte hörten und uns dann an den Platz in der Kirche begaben, den wir für den beschriebenen hielten. Besonders mit dem Fest der Versöhnung beschäftigten wir uns lange.

Einen Kreis mit vielen bunten Perlen fanden wir bei unserer Rückkehr im Tagungsraum vor. Beim näheren Hinsehen entdeckten wir darin 12 Monate, 52 Sonntage und insgesamt 365 Tage. Wir erhielten Schilder mit verschiedenen Aufschriften, wie bestimmte Sonntage, die kirchlichen Feiertage, Heiligengedenktage und sonstige Festtage, jeweils in den passenden liturgischen Farben. Unsere Aufgabe war es, diese an den passenden Perlen zu platzieren, was oft gar nicht so einfach war. Am Ende hatten wir dadurch, beginnend mit dem 1. Adventssonntag bis hin zum Christkönigfest, einen bunten Kirchenjahr-Kalender. Unsere kirchlichen Fest- und Feiertage und die sogenannten geprägten Zeiten gilt es hochzuhalten. Durch das bewusste Erleben und Leben dieser Tage und Zeiten schaffen wir etwas Bleibendes und geben auch unseren christlichen Glauben an andere weiter. Wenn wir zulassen, dass z.B. der St. Martinsumzug zum Laternenumzug oder der Adventsmarkt zum Wintermarkt wird, werden wir uns als Christen zunehmend unglaubwürdig machen.

Schwarzes Feuer und weißes Feuer – was soll das denn sein? Da gibt uns die Bibel die Antwort. Neben den Buchstaben und Worte der biblischen Texte, benannt als schwarzes Feuer, lässt sich vieles herauslesen, was nicht wörtlich in der Bibel steht. Diese Gefühle, Emotionen, Botschaften stehen als weißes Feuer zwischen den Zeilen, wie wir am Sonntagmorgen entdeckten. Anhand der Ölberggeschichte übten wir uns in einem Bibliolog und versetzten uns nacheinander in die Rolle eines Jüngers, eines bewaffneten Soldaten und des Judas. Ja, wir überlegten auch was in dem Kuss des Judas oder in einem alten Olivenbaum vorgegangen sein könnte, wenn sie denn sprechen könnten.

Beim letzten Punkt des Programmes kamen wir wieder zu unseren Ritualen zurück, die wir am Samstag gesammelt hatten. Es waren mehr als 50, die nun als einzelne Zettel um die gestaltete Mitte gelegt wurden. Jede und jeder durfte sich einen Zettel aussuchen und anschließend in ein paar Worten beschreiben, warum gerade dieses Ritual für sie oder ihn wichtig ist. Vielleicht könnte man ja das eine oder andere Ritual neu in den Blick nehmen und wiederbeleben.

Wie gewohnt erlebten wir auch bei diesem Wochenende ein tolles Miteinander mit viel Geselligkeit, guten Gesprächen, gemeinsamem Singen und Beten und vielem mehr. Sehr ansprechend war der Gruppengottesdienst, den wir am Samstag vor dem Abendessen im Stuhlkreis im Tagungsraum feierten. Es waren insgesamt sehr schöne Tage, bei denen die Verbindung unserer drei Pfarreien wieder einmal sichtbar und spürbar wurde. Wir wurden aufgefordert, mutig unsere Wege zu gehen und auch mal Neues zu wagen. Das gilt vor allem für die Zeit, wenn Pfr. Albert im Ruhestand sein wird. Denn was die Zukunft für die Pfarreiengemeinschaft Effata bringen wird können wir heute noch nicht wissen. Nicht zuletzt sagen wir unserem Referenten Frank Greubel ein herzliches Dankeschön, denn er hat uns ganz toll und mit viel Humor durch dieses Wochenende geführt.

 

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