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Die Osterkerze – ein Bild unseres Lebens: Sie erzählt vom Aufstieg, der Entwicklung des Menschen ebenso wie von seinem Fall, seinen Irrungen und Schuldverstrickungen. Aber das Wichtigste bei allem ist: Sie erzählt von der Befreiung ins Leben hinein, wie es von uns nur ersehnt und in dieser Welt nur in Ansätzen realisiert werden kann. Denn Erlösung – die endgültige Befreiung in ein Leben, das von Liebe und Geborgenheit geprägt sein wird, all das kann uns nur geschenkt werden; es ist für und von uns nicht machbar – dies bleibt ein Liebeserweis Gottes an uns alle.

Alles beginnt in der Wüste, die ja als lebensfeindlich gilt, weil es darin an Wasser und nahrhaften Pflanzen fehlt. Der Sand an der Basis deutet diese Wüste an. So karg und eintönig sieht unser Leben aus, wenn wir ganz auf uns allein gestellt wären. Aber da ist etwas in uns, was uns aufrichtet und nach vorne schauen lässt, ganz gleich was das Leben uns zumutet. Diese tiefe Sehnsucht ist nicht erklärbar, nicht machbar, nicht zu unterdrücken – sie ist einfach da. Sie ist Gottes Stimme, sein „Lockruf“ in uns.

Der Mensch hat diese innere Stimme immer wieder gehört an entscheidenden Wegpunkten seines Lebens und seiner Existenz. Wir sehen in der Wüste Abraham, der eine unvorstellbare Verheißung in sich hört: „Zieh weg aus all deinem Bisherigen . . . ich führe dich in ein neues Land des Lebens . . . Zahlreich wie die Sterne am Himmel werden deine Nachkommen sein . . .“ Abraham zieht los, er lässt sich auf diese innere Stimme ein. Er versteht diese Stimme als Stimme Gottes in ihm. Darum gehorcht er und zieht los ins Neue und Ungewisse. Wir sehen ihn von hinten, d. h. als einen der aufbricht.

Abraham war nicht der erste, der Gottes Stimme hörte und ihr gehorchte. Noah lebte bereits im Bund mit Gott, den dieser nach der Sintflut mit Noah schloss. Der Bogen in den Wolken – Regenbogen – ist das Zeichen dieses Bundes. Darum ist er über dieser Basisszene zu sehen. Und da ist noch die Taube mit dem Ölzweig, die Noah verkündete, dass nach aller Katastrophe der Flut (einer ersten Pandemie) wieder neues Leben möglich ist. Es ist das Friedenszeichen bis heute. Dann sind da die Tafeln des Sinaibundes, den Mose und das Volk mit Gott eingingen. Das Grundgesetz dieses Bundes ist der Dekalog, die 10 Gebote.

So wissen wir, woran wir uns halten sollten, wenn Leben gelingen und durch Gott behütet erfahren werden soll. Dann können auch die Verheißungen Wirklichkeit werden, für die der Sternenhimmel und die Lebenswasser Gottes stehen, die wohl dosiert bis zu uns herab dringen. Doch wir haben den Bund mit Gott immer wieder gestört, ihn gebrochen – durch unseren Egoismus, durch Machtgier, Gewaltanwendung, Ausbeutung von Mensch und Natur, usw. . . . Es bedurfte einer grundlegenden und radikalen Erneuerung. Und diese kam mit Jesus, den wir Christus (= Gesalbten oder Messias) nennen.

Dieser Jesus erwies sich selbst als Verheißung, die ihrer Erfüllung ständig entgegen geht. Denn in ihm verbinden sich Himmel und Erde, Gott und Mensch – alles wächst zu einer tiefen Einheit in ihm zusammen. Durch ihn wird das allererste Zeichen des Bundes mit Gott zur Schale. Wir sind nicht nur behütet sondern ebenso geborgen. Zwei Zeichen setzt Jesus: seine Liebe zu allen Menschen und eine neue Gerechtigkeit, die alle Menschen umfasst und garantiert, dass alle genug zum Leben haben.

Da sind die Symbole der Fußwaschung – Zeichen seiner Liebe, die nichts als einander dienen kennt. Wir sind füreinander da und tragen darum Verantwortung füreinander – auch für die Schöpfung, von der wir leben. Das Zweite sind Brot und Wein – Zeichen seiner Gemeinschaft mit uns. ER will mit uns in Einheit leben, so wie ER mit dem Vater eins ist. Dieses Brot und diesen Wein sollen wir zu seinem Gedächtnis miteinander teilen – und dazu braucht es kein Amt, keine Institution, sondern nur Menschen, die an ihn glauben und mit ihm verbunden leben wollen.

Selbst wenn wir alles befolgen, was uns aufgetragen ist, leben wir noch nicht im Paradies. Denn wir sind schwach und haben unsere Fehler. Wir werden immer wieder zurückfallen und schuldig werden. Das Kreuz und alles Leid können wir nicht abschaffen. Nie kann es darum gehen, eine Kreuz– und Leid–freie Welt zu erschaffen. Das würde aufgrund maßloser Selbstüberschätzung nur zu neuem Elend, Gewalt und Kreuz führen. Worum es geht ist: Uns allem Kreuz und Leid unseres Lebens zu stellen. Wir müssen da hindurch, auch wenn es den Tod bedeutet.

Jesus ist diesen Weg gegangen. Für IHN war klar: nur durch den Tod dieser Welt hindurch kann das neue und ewige Leben gewonnen werden. Denn nur im Tod kann die große Wandlung geschehen. Das bedeutet natürlich erst einmal Trauer und düstere, Unheil verkündende Wolken. Das kann Gewitter mit Blitz und Donner bedeuten. Aber Gott lässt dabei auch seine Lebenswasser neu fließen. In allem Unheil, aller Krankheit und allem Leid liegt bereits der Keim neuen Lebens. Gott hat es gesagt und in Jesus wahr werden lassen: es ist Ewiges Leben, Leben der Auferstehung.

Es ist Leben in seinem Licht. Darum ist der Auferstandene als Lichtgestalt dargestellt. ER erstrahlt neu wie die Ostersonne, deren Strahlen Himmel und Erde erleuchten. Sie sind im Regenbogen eingefangen und erinnern daran: Gott vergisst uns nie. ER oder SIE bleibt unser Licht und Leben. Was auch in dieser Welt war und ist, was uns vielleicht bedrückt oder gar das Leben geraubt haben mag, es zählt bei Gott nicht mehr. Es zählt auch all unser Versagen nicht mehr, denn ER / SIE sagt: „Siehe, ich mache alles neu!“ Darauf dürfen wir vertrauen.

  • Ostern gibt uns Gewissheit, - nicht dass alles gut gehen wird im Leben hier, sondern dass wir in allem gehalten, behütet und geborgen sind in seiner / ihrer Liebe.
  • Ostern sagt uns nicht, dass alles Kreuz und Leid nun überwunden sind, sondern dass alles seinen Sinn hat, auch wenn wir ihn nicht immer erkennen und verstehen.
  • Ostern bleibt die Hoffnung unseres Lebens, das Ziel all unserer Sehnsucht nach Leben und Liebe; denn alles wird gut – im Tod erfahren wir die Wandlung unseres Lebens und ewiger Friede im Licht seiner Liebe und Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, Barmherzigkeit und Weisheit wird uns erfüllen und umfangen.

Ich wünsche Ihnen alle ein frohes und erfülltes österliches Leben – Halleluja! 

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